VorOrt Gespräche: Senioren und Leben im Alter

Bernhard Boll antwortet auf Fragen von Marianne Bade zu würdevollem Leben im Alter, zur Rolle von Senioren in der Mitte der Gesellschaft und zur Seniorenpolitik im Mannheimer Süden.

Marianne Bade: Bernhard, ich unterstütze Dich und Deine Kandidatur, weil ich mir Dich als meinen Nachfolger im Gemeinderat wünsche.
Für Sport und Freizeit hast Du Dich am 48er-Sportplatz auf dem Almenhof schon erfolgreich engagiert. Hast Du schon mal ein Blick auf die Älteren im Stadtteil und deren Bedürfnisse geworfen?
Bernhard Boll: Im Stadtbezirk Neckarau, Almenhof und Niederfeld sind über 21% der Menschen, die dort leben, über 65 Jahre alt. Und wir wissen, dass dieser Anteil in den nächsten Jahren deutlich zunehmen wird. Keine Frage also, dass ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe und beschäftigen werde.

Marianne Bade: Was ist für Dich in Seniorenpolitik wichtig?
Bernhard Boll: An erster Stelle steht für mich die Lebensqualität und der Anspruch, im Alter in Würde leben zu können. Das heißt für mich auch, nicht nur ein gutes Leben führen, sondern auch und an der Gesellschaft aktiv teilnehmen zu können. Die Senioren sind Teil unserer Gesellschaft. Mein Ziel ist es, ihnen so lange wie möglich das Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Jeder alte Mensch, aber auch die Angehörigen, müssen entscheiden, ob und wie lange das zu verantworten ist. Wenn dann vielleicht doch der Punkt kommt, wo ein Heim für alle Beteiligte die bessere Lösung ist, dann soll das Haus mitten im Wohngebiet stehen und nicht irgendwo auf der grünen Wiese oder im Industriegebiet.

Marianne Bade: Das heißt …?
Bernhard Boll: Wenn heute beispielsweise Wohnformen wie das Mehrgenerationenhaus attraktiv werden, deutet das für mich auch im öffentlichen Angebot in diese Richtung. Ich fände es gut, wenn Angebote, die sich in gleicher Weise an Jung und Alt richten, auch an gemeinsamen Orten stattfinden. Das trägt nicht nur dazu bei, dass es wieder selbstverständlich wird, dass mehrere Generationen gemeinsam aktiv sind, sondern hat nebenbei auch ökonomische Vorteile, indem man Angebote und Dienstleistungen bündeln kann.

Marianne Bade: Vor kurzem haben wir das Seniorennetzwerk in Neckarau gegründet …
Bernhard Boll: … ja, auf Initiative von Dir und der Neckarauer SPD. Es ist gut, dass sich im Mannheimer Süden die verschiedenen Vereine, und Institutionen getroffen und die Arbeit aufgenommen haben. Und es ist gut, dass diese Initiative jetzt einen überparteilichen Charakter hat.

Marianne Bade: Welche sind für Dich beim Seniorennetzwerk die wichtigsten Aufgaben?
Bernhard Boll: Also zunächst einmal ist es von großer Bedeutung, dass dieses Netzwerk überhaupt gegründet wurde. Wichtigstes Ziel ist es, die Angebote im Stadtteil für die älteren Menschen zu dokumentieren und sie auch bei der Zielgruppe bekannt zu machen. Das ist der eine Teil. Genauso wichtig ist allerdings, dass sich Vereine und Institutionen vernetzen. Oft weiß der Eine ja vom Anderen nichts, dabei liegt die Lösung für viele Probleme oft näher, als man glaubt. Und es braucht natürlich auch Ansprechpartner, die bekannt sind und zu denen man einen kurzen Draht hat.