VorOrt Gespräche: Verkehrspolitik

Bernhard Boll antwortet auf Fragen von Markus Rebmann, Sprecher des Verkehrsforum Neckarau,
über die Belastungen von Luft und Straßen durch Verkehr.

Markus Rebmann: Als Bezirksbeirat sind Sie viel unterwegs auf dem Almenhof, in Neckarau und im Niederfeld. Wie nehmen Sie
die Straßenverkehrssituation wahr?

Bernhard Boll: Ich nehme sie zumeist vom Fahrrad aus wahr, weil das am schnellsten geht und ein bisschen Fitnesstraining bringt.
Wir haben überall Probleme – mehr Einwohner bedeuten mehr Verkehrsteilnehmer für die gleiche Infrastruktur – das
kann nicht ohne Auswirkungen bleiben. Wir haben es also mit hausgemachten Problemen zu tun.

Markus Rebmann: Die da sind?
Bernhard Boll: Schauen Sie beispielsweise auf den Verkehr morgens und abends in der Steubenstraße, der Rheingoldstraße und der
Friedrichstraße, ganz zu schweigen von der Neckarauer Straße, wo wir auf die Luftqualität schauen müssen. Diese
Straßen waren sicherlich nicht für das bestehende Verkehrsaufkommen geplant und haben ihr Limit erreicht. Nehmen
Sie den ruhenden Verkehr hinzu – Stichwort Parksituation – vor allem in Neckarau und auf dem Almenhof, dann sehen
Sie die angesprochenen Auswirkungen.

Markus Rebmann: Im Verkehrsforum diskutieren wir auch regelmäßig darüber, was kann man aus Ihrer Sicht dagegen tun?
Bernhard Boll: Wir brauchen einen neuen Verkehrswegeplan für den Stadtbezirk, der alte ist von 2005 und wird den heutigen Bedingungen nicht mehr gerecht. Wir brauchen ein verbessertes Angebot für den öffentlichen Nahverkehr, Stichwort
Kompaktbahnhof, der nun endlich Realität werden muss, um mehr Pendler bedienen zu können. Wir brauchen mehr
Radwege, die benutzbar und nicht zugeparkt sind und wir brauchen immer mehr Verkehrsteilnehmer, die auf das
verbesserte Angebot im ÖPNV und das Fahrrad umsteigen.

Markus Rebmann: Die Verkehrssituation am Marktplatz ist unbefriedigend.
Bernhard Boll: Das kann man wohl sagen! An manchen Tagen herrscht an diesem Kreuzungspunkt eine Situation vor, die zu minutenlangem Stillstand führt. Und wieder alles hausgemacht: man kann eben nicht von einem ehemaligen Dorfkern erwarten, dass er unverändert den heutigen Anforderungen gewachsen ist. Der Umbau zum Kreisverkehr, schon seit langer
Zeit gefordert, muss dringend auf die Tagesordnung.

Markus Rebmann: Sie setzen damit auf den sogenannten Umweltverbund, sehr massiv sogar.
Bernhard Boll: Ja, und der ist dringend nötig für Neckarau, Almenhof und Niederfeld – und nicht mal allein im Bereich der kommunalen Entscheidungskompetenz. Aber es hilft ja nichts: achselzuckend auf das Land oder den Bund zu verweisen, bringt
keine Verbesserung der Verkehrssituation. Ich will da als Stadtrat nachdrücklich am Ball bleiben, mit Ihrer Unterstützung
vom Verkehrsforum.