VorOrt Gespräche: Kinder und Jugendliche

Bernhard Boll antwortet auf Fragen von Rudi Strunk zur offenen Jugendarbeit, Schulkindbetreuung und das Recht von Jugendlichen, mitzureden.

Strunk: Sie kennen den Jugendtreff von Ihren Besuchen. Ist Ihnen etwas besonders aufgefallen?
Boll: Das Angebot des Treffs ist in zweierlei Hinsicht von Bedeutung: pädagogisch, weil er als Treff eine sichere Anlaufstelle für die Jugendlichen ist, mit niederschwelligem Angebot, ohne Konsumzwang. Hier können die Kids – im Rahmen allgemeiner Regeln – tun und lassen was sie wollen, haben aber, wenn gewünscht, kompetente Ansprechpartner, z.B.
bei schulischen oder familiären Problemen, Hilfe bei Bewerbungen etc.
Und zum Zweiten fiel mir die Ausstattung auf: zum Beispiel ein Kicker und ein Billardtisch, Tischtennis, pädagogisches Kochen, Karten- und Brettspiele, PlayStation, Wii …

Strunk: Mit magerer Personalausstattung von 1,5 städtischen Mitarbeitern…
Boll: … was sich zunächst etwas dünn anhört, aber stadtweit dem Standard der Jugendtreffs entspricht. Bisher habe ich als Bezirksbeirat in Neckarau dazu keine Klagen gehört, dass die Betreuungsdichte zu gering ist. Und dann sind Sie, Herr Strunk, mit Ihrem Förderverein des Jugendtreffs ja auch noch da, der das Angebot unter anderem mit Öffnungszeiten auch an Wochenenden erweitert. Wie Sie wissen, schätze ich Ihre Arbeit sehr und auch Ihre Hinweise, wenn es um den Jugendtreff in Neckarau geht, um kurzfristig und pragmatisch zu unterstützen.

Strunk: Trotzdem haben Kinder in Neckarau, Almenhof und Niederfeld nicht ausreichend Betreuungsangebote zur Verfügung.
Boll: Ja, das stimmt und das ist überhaupt nicht gut. Das liegt mir auch am Herzen. Es ist schlichtweg nicht zumutbar, wenn der Stadtteil wächst und jeweils über 60 Plätze im Krippenbereich und an Kindergarten fehlen.
Zudem klafft auch in der Schulkinderbetreuung eine Lücke von über 40 fehlenden Plätzen. Zwar ist mit dem Neubau im Almenhof an der Maria-Hilf-Gemeinde Entspannung in Sicht, aber gelöst ist das Thema damit nicht. Zudem hoffen wir auf Erleichterung durch die Schiller-Ganztagesgrundschule im Bereich der Schulkinderbetreuung.

Strunk: Rücken Kinder und Jugendliche nur zu Wahlkampfzeiten in den Vordergrund?
Boll: Nein. Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, in ihrer Stadt mitzureden und mitzuentscheiden. Das ist an verschiedenen Stellen nachzulesen, zum Beispiel in der Gemeindeordnung von Baden-Württemberg. Ich habe die Kinder und Jugendlichen während der letzten Stadteilversammlung hier im Jugendtreff politisch interessiert und kreativ erlebt. Das hat mich nicht nur beeindruckt, sondern auch bestärkt, hier genauer, ernsthaft und öfter zuzuhören. Und das wird unabhängig vom Wahlausgang auch so bleiben.