VorOrt Gespräche: Bildungspolitik

Bernhard Boll antwortet auf Fragen von Peter Deffaa, Rektor der Wilhelm-Wundt-Grundschule zur
Schulentwicklung und zu Kita-Plätzen in Stadtbezirk.

Peter Deffaa: Herr Boll, alle Ihre Kinder haben im Stadtbezirk Schulen besucht. Waren Sie zufrieden?
Bernhard Boll: Ja, auf jeden Fall. Wichtig war für uns neben dem Engagement der Lehrer*innen, dass die Schulwege nicht so weit
und sicher waren und dass nach der Grundschule alle weiterführenden schulischen Angebote im Stadtbezirk angeboten werden.

Peter Deffaa: Die Neckarauer Schillerschule soll Ganztagsgrundschule werden und mit der Grundschule an der Wilhelm-Wundt-Schule zusammengelegt werden. 
Bernhard Boll: Mit der auch von uns durchgesetzten Einrichtung einer Ganztagsgrundschule wird sich das Tagesangebot für Schulkinder deutlich verbessern. Einerseits verbessern sich die Fördermöglichkeiten für die Schulkinder und andererseits wird
dadurch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt.
Wenn sich mit der Zusammenlegung der beiden Grundschulen die Schulwege teilweise verändern gilt unser besonderes Augenmerk der Schulwegsicherheit.
Positiver „Nebeneffekt“ der Zusammenlegung der beiden Grundschulen ist das Ende der jahrelangen Schulraumnot ein
besseres Platzangebot an der Wilhelm-Wundt-Realschule.

Peter Deffaa: Der Mangel an Krippen- und Kindergartenplätzen ist immer wieder ein Thema, für Sie auch?
Bernhard Boll: Ja, für Kinder im Vorschulalter fehlen immer noch bzw. immer wieder Betreuungsplätze, die dringend geschaffen werden müssen. Der Anteil der Kinder unter sechs Jahren in Neckarau-Niederfeld ist im Vergleich zum Stadtgebiet überproportional gestiegen. Für die Kinder in Neckarau, Almenhof und im Niederfeld müssen ausreichend bedarfsgerechte, gut
qualifizierte Krippen- und Kindergartenplätze zur Verfügung stehen, wo Talente und Begabungen, Sprache und Persönlichkeitsentwicklung gefördert werden. Der Sprache mächtig zu sein, ist ein wichtiger Schlüssel zur Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit.

Peter Deffaa: Im aktuellen Bildungsbericht der Stadt Mannheim wurde ein kleines Teilgebiet im Neckarauer Nordosten als „sozialstrukturell sehr auffällig“ bewertet. Was bedeutet das für die Kinder aus diesem Quartier?
Bernhard Boll: Oft haben Kinder in solchen Quartieren einen besonderen Förderungsbedarf. Deswegen muss es für sie wirksame Angebote innerhalb des Stadtbezirks geben. Insbesondere die Wilhelm-Wundt-Grundschule, die sozialen Dienste und anderer Akteure müssen bei der Schaffung besondere Bildungs- und Betreuungsangebote für Kinder aus diesem Quartier
unterstützt werden. Unsere Gesellschaft muss jedes Kind mitnehmen und fördern, egal wo die Familie wohnt bzw. wie
die Einkommensverhältnisse sind.